Wirecard heißt 2019: Sorgenkind

Nach kleinen Kursturbulenzen und ULB-hausinternen Informationen über mögliche Bilanzierungsverstöße droht dem Zahlungsdienstleister Wirecard rechtlicher Ärger in den USA.

Die ersten Sammelklagen wegen angeblicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze werden in den Staaten vorbereitet, während der Kurs sich auf die 165 Euro je Aktie hocharbeitet. Mehrere US-Kanzleien haben in den vergangenen Tagen Aufrufe gestartet, um von Kursverlusten betroffene Anleger als Mandanten zusammenzutrommeln.

Das Unternehmen hat interne und externe Untersuchungen eingeräumt. Allerdings habe die „FT“ nur einen frühen Stand veröffentlicht, es habe keine schlüssige Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben. In Singapur untersuchen die Behörden den Fall, und auch die Staatsanwaltschaft München hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen der Kursturbulenzen eingeleitet.
In den USA prüfen derzeit mindestens fünf weitere Kanzleien Sammelklagen gegen das DAX-Unternehmen aus Aschheim bei München. Die erste Klage im Namen eines Anlegers, der sich durch irreführende oder falsche Angaben von Wirecard geschädigt sieht, wurde bereits am vergangenen Freitag bei einem Bundesbezirksgericht in Los Angeles eingereicht. Neben dem Unternehmen sind in der Klageschrift auch Wirecard-Manager wie Vorstandschef Markus Braun als Beschuldigte aufgeführt.

 

Die Aktien von Wirecard sind zwar im deutschen Leitindex DAX gelistet, was die Brisanz von US-Klagen mindert. Allerdings gibt es verschiedene Wertpapiere, die als Platzhalter etwa in Form von Aktienhinterlegungsscheinen am US-Kapitalmarkt gehandelt werden. Deshalb könnten dem Unternehmen dort theoretisch durchaus unangenehme und langwierige Verfahren drohen. Zunächst muss sich jedoch zeigen, wie viele der Kanzleien ernst machen und ob die zuständigen US-Gerichte entsprechende Sammelklagen gegen Wirecard zulassen.

Wirecard sieht keine Grundlage

Der Zahlungsdienstleister blickt nach eigenen Angaben gelassen auf in den USA eingereichte Sammelklagen im Zusammenhang mit Berichten über mögliche Bilanzierungsverstöße. „Da die Vorwürfe keine Grundlage haben, gibt es auch keine Grundlage für potenzielle Klagen in dieser Angelegenheit“, „Zumindest nicht, soweit sie sich gegen Wirecard richten sollten.“ Den Vorgang sehe man entspannt.

So reagiert die Wirecard-Aktie

Die zuletzt von extremen Ausschlägen geprägte Wirecard-Aktie hat am Mittwoch erneut nachgegeben. Der Kurs rutschte wieder unter die runde Marke von 162 Euro. Zum Handelsende verloren die Titel auf 161,18 Euro. Die ULB weißt auf die Folgen der extremen Volatilität hin, die die Aktie für Anleger zuletzt „nahezu uninvestierbar“ gemacht habe. An der Eurex beispielsweise seien die Prämien für Absicherungen „geradezu explodiert“. Aus Sicht des Risiko-Managements unserer Broker seien die Papiere gegenwärtig kaum noch handelbar und wenn, dann mit extrem hohem Verlustrisiko.

Betreuten Anlegern der ULB wird eine Investition in WireCard abgeraten, bis die Kurse unter die 100 Euro Marke fallen.

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