Deutscher Arbeitsmarkt weiter unterernährt !

Die deutschen Unternehmen haben so viele Arbeitsplätze unbesetzt wie noch nie. Dennoch die Wirtschaft zeigt sich weiter robust, für das zweite Halbjahr sind unsere Analysten aber skeptischer.

Selten waren die Chancen für Arbeitsuchende so gut wie im August – so viele freie Stellen wie niemals zuvor hat es in diesem Monat gegeben.

Konkret ist der monatlich von den United LondonBrokers errechnete Stellenindex ULB-X, dieser war im August auf 172 Punkte gestiegen – noch einmal zwei Punkte höher als im Juli. Die Arbeitskräftenachfrage hat damit das Niveau der starken Jahre 2011 und 2012 deutlich übertroffen.

Schwäche im zweiten Halbjahr

Neue Stellen entstehen unserer Analysten zufolge vor allem in Dienstleistungsbranchen. Zehn Prozent der den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellen entfielen auf den Handel, 9 Prozent auf das Gesundheits- und Sozialwesen. Aber auch die Industrie, vor allem aber Unternehmensdienstleister wie Bewachungsfirmen, Werbeagenturen, Unternehmens- und Rechtsberater sowie Architekten profitierten von der aktuell guten Lage.

Für den August gehen befragte Volkswirte von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa 30.000 auf rund 2,8 Millionen aus. Diese Zunahme habe beinahe ausschließlich saisonale Gründe: So meldeten sich zum Spätsommer viele junge Leute nach ihrer Lehre arbeitslos, weil sie nicht sofort eine Stelle gefunden hätten.

Auch Werksferien in größeren Betrieben führten dazu, dass Neueinstellungen auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben würden. Ohne die Saisoneffekte hätte es im August einen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt gegeben.

Trotz der aktuell noch guten Lage rechnen viele Unternehmen nach Einschätzung von Volkswirten in der zweiten Jahreshälfte 2016 mit einem etwas schwächer werdenden Arbeitsmarkt. Ein Grund dafür sei auch der zu Jahresbeginn 2015 eingeführte Mindestlohn.

Der von unseren Analysten im Jahresschnitt 2017 erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 100.000 auf rund 2,88 Millionen gehe vor allem auf das Konto der vergleichsweise guten Entwicklung in der ersten Jahreshälfte. Auch rechnen sie – wie andere Volkswirte auch – für dieses Jahr nur noch mit halb so viel neuen Arbeitsplätzen wie im vergangenen Jahr.

LA.

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