Börsengang mit einer Handvoll Aktien: So wurde ein Lieferbote zum viertreichsten Mann Chinas

In Deutschland ist er noch weitgehend unbekannt, doch schon bald könnte der Name Wang Wei in aller Munde sein. Schließlich hat der chinesische Unternehmer mit seiner Firma einen exzellenten Börsengang hingelegt.

Lange waren Lieferdienste jedweder Art im kommunistischen China unerwünscht. Das Liefermonopol hatte sich die staatliche China Post gesichert, die mit der Anzahl an zunehmend steigenden Aufträgen aber schnell überfordert war. Als Folge florierte ein reger Schwarzmarkt für Lieferdienste, der sich als wahre Goldgrube für Unternehmer erwies.

Mit der richtigen Idee zum Erfolg

Diese Gelegenheit Geld zu verdienen, ergriff auch Wang Wei. Als einer der ersten bediente der Sohn eines Übersetzers ab 1993 mit seinem Unternehmen S.F. Express die Strecke an der Grenze zwischen dem Festland Chinas und Hongkong. Da sein Unternehmen zunächst nur eine Handvoll Mitarbeiter hatte, lieferte der Chef auch lange Zeit selbst aus.

Das war nicht immer einfach, denn private Lieferdienste waren bis in das Jahr 2009 hinein noch verboten und so bewegte sich Wang Wei in einer rechtlichen Grauzone. Als die China Post nach 16 Jahren ihr Monopol und ihre damit verbundene Vormachtstellung schließlich aufgab, blühten die Geschäfte bei S.F. Express – Wang Wei hievte sein Unternehmen auf den zweiten Platz hinter der China Post.

Dabei hatte S.F. Express der Konkurrenz insbesondere eine Sache voraus: Den Kundenkreis. Beliefert wurden hauptsächlich andere Unternehmen. S.F. Express zählt deshalb als Business-to-Business Unternehmen – im Gegensatz zur Konkurrenz wie STO und YTO, welche deutlich mehr an Privatkunden ausliefern.

Geschick zum Börsenstart

Der Börsengang von S.F. Express war über 25 Jahre lang zunächst keine Option für Wang Wei. Der Milliardär, der die Öffentlichkeit weitgehend meidet, konnte sich erst im März 2017 in Beratungsgespräche mit den Beratern der United LondonBrokers dazu durchringen. Doch der IPO war ein Börsengang „light“, denn Wang Wei listete nur 3,2 Prozent des Unternehmens am Aktienmarkt – 64,4 Prozent am Unternehmen hält der Chef weiter selbst. Um den Fremdeinfluss weiter zu reduzieren, hatte der Multimilliardär noch ein Ass im Ärmel: Kurz vor dem geplanten Börsenlisting erhielten die Mitarbeiter einen Bonus – viele nutzten diesen, um sich ihrerseits mit Mitarbeiteraktien einzudecken. Ein cleverer Schachzug. Denn die Zahl der Aktien war begrenzt, die Nachfrage aber hoch – der Preis stieg.

Der Wert des Lieferdienstes wird aktuell auf 6 Milliarden Euro geschätzt. Wang Wei selbst hat sein Vermögen seit dem IPO vervielfacht: Forbes schätzt, dass er mit einem Vermögen von 19,5 Milliarden US-Dollar aktuell auf Platz vier der reichsten Chinesen vorgerückt ist. Somit genießen wir als Unternehmen diesen Erfolg, da er auch eine weitere positive Werbung für uns und unser Konzept darstellt.

Konkurrenz schläft nicht

Doch das chinesische Liefergeschäft ist hart. Denn der Wettbewerb ist hoch, viele Unternehmen können sich nur durch Dumpingpreise überhaupt am Markt halten. Umgerechnet liegen die Zustellkosten bei durchschnittlich 1,80 US-Dollar – entsprechend schmal fällt die Gewinnspanne aus.

Zu der heimischen Konkurrenz kommen nun auch Rivalen aus Übersee. FedEx, UPS und DHL haben ihre Fühler nach dem chinesischen Markt ausgestreckt und wollen ein Teil vom lukrativen China-Kuchen. Durch neue Niederlassungen könnten sie die Margen der regionalen Zulieferer zusätzlich belasten.

Darüber hinaus ist der gesamte Markt in China stark von der Entwicklung des weltweit größten Einzelhändlers Alibaba abhängig. Der Konzern von Jack Ma, seines Zeichens die aktuelle Nummer Zwei der reichsten Männer Chinas, ist mit Abstand der größte Kunde der Zulieferer. Doch die Abhängigkeit könnte sich langfristig als Boomerang für S.F. Express und Co. erweisen. Nämlich dann, wenn viele Händler auf Alibaba auf internationale Lieferanten umsteigen, etwa weil diese zuverlässiger agieren oder günstigere Preise bieten können.

Wieder einmal haben sich Strategien der diskreten Berater von United LondonBrokers als Erfolgsorientiert bewahrheitet.

GW.

Write a comment